30
Sep 11

Multimediales Leben einer Sanduhr

Eine junge Komponistengeneration, die bereits im Ansatz multimedial denkt, wird reif. Ein Beispiel ist die 28-jährige Litauerin Justė Janulytė: Inspiriert von einer Sanduhr, ihrer symbolischen Bedeutung und ihrer visuellen, aber auch akustischen Erscheinung, entwirft sie im 2010 entstandenen Werk «Sandglasses» für vier Celli, Video und Live-Elektronik ein vielschichtiges künstlerisches Bild.

Ohne die Videoprojektion und ohne die Rauminstallation, in welcher die vier Musiker inszeniert sind und wäre das langsame, insgesamt 55 Minuten dauernde Absteigen von ganz hoch bis ganz tief weit weniger interessant, obwohl die Klänge durchaus grossen inneren Reichtum haben. Das Stück indes entfaltet seine stark berührende und poetische Wirkung aus dem Verschmelzen von Klang, Bild und Bewegung. Wie eine Sanduhr, in welcher die Zeit strudelartig verrinnt, versiegt und immer wieder neu entsteht.

(Interpretiert wird das Werk von den Cellisten des Gaida Ensembles E. Kulikauskas, P. Jacunskas, R. Tamutytė, O. Švabauskaitė. Die Komponistin war mit ihrem Werk beim diesjährigen Festival Musica in Strasbourg vertreten.)


30
Sep 11

Ach George

Okay, okay…. aber hey, dieses Video findet hier nur seinen Platz, wegen der wunderschönen Air-Hintergrundmusik von Johann Sebastian Bach. Nein wirklich, ich schwöre…


26
Sep 11

Alisa Weilerstein – oder wie man über Nacht um eine halbe Million reicher wird

Alisa Weilerstein beim Tiny Desk Concert des amerikanischen Radiosenders NPR (Werke: J.S. Bach: “Bourree & Gigue” (from Solo Cello Suite No. 3) und Osvaldo Golijov: “Omaramor”)

Ein Telefonanruf aus heiterem Himmel und plötzlich bist du 500’000 US Dollar reicher und die Leute fangen an dich als “Genie” zu bezeichnen. Was dir und mir nicht mal im Traum passiert, wurde für die Cellistin Alisa Weilerstein unlängst Tatsache. Während ihrer Probearbeit beim Chamber Music Festival in Jerusalem erreichten sie letzte Woche einige wirre Nachrichten auf ihrem Handy, die sie aber nicht wirklich zu deuten wusste. Sie schrieb dem Absender eine eher genervte Antwort zurück und es brauchte einiges an Erklärungskünsten des Büros der MacArthur Foundation, bis sie begriff, was man ihr zu sagen versuchte: Jemand, den sie “sehr gut” kennen würde, hätte den hochdotierten Preis der Stiftung gewonnen.  “Like a total idiot, I said, ‘who?’ And he said, ‘Well, you.’ I was in complete shock. I screamed and everything. I think they were highly amused.”

Die 29-Jährige Alisa Weilerstein ist aufgrund ihrer Gabe “technische Präzision mit leidenschaftlicher Musikalität sowohl bei traditionellen wie auch zeitgenössischen Werken zu kombinieren und das Repertoire des Cellos dank ihrer Zusammenarbeit mit führenden lebenden Komponisten kontinuierlich zu vergrössern”  als eine der insgesamt 22 Preisträger der amerikanischen MacArthur Foundation ausgezeichnet worden (insgesamt wurden nur zwei Musiker berücksichtigt). Was sie mit dem Preisgeld von einer halben Milllion Dollar, welches ihr verteilt über die kommenden fünf Jahre zufliessen wird, anstellen möchte, hat sie zwar noch nicht verraten, aber im folgenden Video ist ihre Reaktion auf diese tolle Auszeichnung zu erleben.


25
Sep 11

Die Lust Grenzen zu überschreiten

“You know how in figure skating there was that triple jump everyone did, and then finally someone managed a quadruple one? Well, if I were a skater I would be that person! I have that Star Trek thing of going where no man has gone before.”

“To me, ancient and modern music need the same kind of clarity. I just want to embody the sound, to make it come from the whole of me, and why should that be any different for Boulez or Bach?”

Die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan ist bekannt für ihren ausserordentlichen Mut und die Fähigkeit mit herausfordernden zeitgenössischen Gesangsrollen zu brillieren. Zur Zeit tourt sie mit “Pli selon Pli”, dem Meisterwerk von Pierre Boulez, in den Musikzentren Europas. (Zitate aus einem Interview von The Telegraph.)


24
Sep 11

Ein paar erstaunliche Zahlen über Musik

Nett aufbereitet von Simply Zesty

(Tracklist: Jimi Hendrix -Crosstown Traffic / Caribou – Odessa / Pharell Williams, Julian Casablancas and Santigold – My Drive Thru)


18
Sep 11

Klänge der Laufstege

“If the clothes are the meat of the show, music is the soul that brings it alive”, sagt Fashion Designer Prabal Gurung. Während den gerade laufenden Modewochen in New York, London und Paris spielt der Musik-Mix, welcher zu den Shows der einzelnen Designer gespielt wird, eine entscheidende Rolle: da wird inszeniert, Geschichten werden erzählt und es geht vor allem um Eines: so viele Emotionen wie möglich zu wecken. Kein Wunder, dass viele Designer die absoluten Top DJs der Szene aktivieren, um durch die Klänge und Rhythmik der Musik ihre Vision der aktuellen Kollektion ans Publikum zu vermitteln.

Und welche Musik von HipHop bis Klassik ertönte dieses Jahr in New York aus den Boxen der diversen Laufstege?

Video Games von Lana Del Rey
Thursday von Asobi Seksu
Limit To Your Love (Freemun Dubstep Remix) von James Blake
(DJ Kris Bones für Prabal Gurung)

Hong Kong Garden von Siouxsie and The Banshees
How Deep Is Your Love von The Rapture
All or nothing von Au Revoir Simone
(DJ Mia Moretti für Alice + Olivia)

Wave of Mutilation vom Vitamin String Quartet
Computer Love vom Balanescu Quartet
(DJ Geordon Nicol von The Missshapes für Zac Posen) Continue reading →


17
Sep 11

“Es ist nicht so, dass die Klassik in der Krise steckt. Die Klassik ist Hunderte von Jahre alt und wird auch noch in Hunderten von Jahren ihre Grossartigkeit beweisen. Es ist vielmehr das Konzertformat, in welchem die Klassik seit hundert Jahren präsentiert wird, welches in einer Krise steckt.”

Gespräch mit David Canisius, Geiger im Deutschen Kammerorchester, als DJ Canisius erfolgreicher Vermittler klassischer Musik an junge Menschen in Clubs, Mitbegründer der Yellow Lounge.

 


11
Sep 11

Vacances

 

Well summerbreeze is blowing through your window
And summerbreeze is blowing through your hair…

(Summerbreeze, Emiliana Torrini)


07
Sep 11

Silhouetten des Jazz

Die Geschichte des Jazz ist in diesem liebevoll animierten, 2009 entstandenen Kurzfilm von Dominik Käser, Martin-Sebastian Senn, Mario Deuss, Niloy J. Mitra und Mark Pauly zu entdecken und zwar in Form der Schattenkunst, einer speziellen Art von skulpturaler Kreation, bei welcher Körper und Gegenstände so arrangiert werden, dass sich ihr Schatten in ein oftmals verblüffendes Wandgemälde verwandelt.

Der Film zeigt fünf bedeutende Bewegungen in der Evolution der Jazzmusik – die frühe Musik der Feldarbeiter, Ragtime, New Orleans Jazz, Swing und Bebop – jede in einem seperaten Raum aufgenommen, in welchem 3D Skulpturen in verschiedene Richtungen Schatten an die Wände werfen. Oder wie es die Künstler ausdrücken: “The reinterpretation of jazz and non-jazz music is crucial in jazz pieces – in the same way, a shadow object can be seen as a 3D interpretation of the desired 2D shadows.”

Übrigens: wer sich mehr von dieser spannenden Kunstform anschauen möchte, dem seien die Werke von Kumi Yamashita

…sowie Tim Noble & Sue Webster ans Herz gelegt – alle Drei Meister ihres Fachs und in der Kunstwelt gefeierte Stars.


04
Sep 11

How sweet it is

So oft kopiert, aber keiner kommt ans Original von Marvin Gaye heran (1964 produziert von einem der erfolgreichsten amerikanischen Songwriter-Trios der 60er Jahre Holland-Dozier-Holland, welche auch massgeblich für den Erfolg der Supremes und Four Tops verantwortlich waren).


(Foto: A Colorful Mind )


03
Sep 11

Wellen voller Musik

Richard Tognetti ist ein Mann mit vielen Talenten und vor allem einer der spannendsten und kreativsten Köpfe der klassischen Musikszene, die ich kenne. Als Konzertmeister und Künstlerischer Leiter des Australian Chamber Orchestras (wer dieses Ensemble noch nie live gehört hat: ein Muss!) hat er diesen Juli gemeinsam mit Musikern und Surfern die Verbindung von Surfen und Musik, von Wüste und Ozean erkundet. Das Resultat wird eine Mulit-Media-Performance sein (“The Reef”), ein kunstvolles Werk aus Fotografien und Musik, die von Grandage über Crumb, Schostakowitsch bis Bach reicht. Nebst seinem eigenen Ensemble wird der Didgeridoo Spieler Mark Atkins die packenden Surf-Impressionen musikalisch begleiten.


“The Reef is in effect Musica Surfica 2,”
sagt Tognetti, und bezieht sich dabei auf “Musica Surfica”, sein erstes, preisgekröntes Surf- und Klassik-Projekt. “It’s a dialogue I’ve been wanting to have for a long time, or should I say continue: between the desert and the sea and between surfing and music, including the oldest musical form on the planet, our indigenous music – which I approach with great humility and caution.”